Unwetter in Altstätten


Sr. M. Angelika im bereits ausgepumpten Keller. Die Scheiben wurden eingedrückt, das Wasser stand zwei Meter hoch.
31.07.2014

1,68 Millionen Liter Wasser und Schlamm

Aufräumarbeiten im Kloster Maria Hilf, Altstätten

Rund 1,68 Millionen Liter Wasser und Schlamm haben am Montag die Keller des Klosters Maria Hilf in Altstätten geflutet. Die Küche im Erdgeschoss ist ebenfalls beschädigt und noch nicht in Betrieb, Strom und Wasser fliessen wieder. Über die Höhe des Sachschadens kann noch keine Aussage gemacht werden. 

Am vergangenen Montag, nach 18 Uhr, waren die 12 Schwestern des Kapuzinerinnen-Klosters Maria Hilf beim Abendessen, als ein heftiges Gewitter über der Stadt niederging. „Wir sprachen darüber, fühlten uns aber nicht in Gefahr“, erzählt Sr. M. Angelika. Dann ging alles sehr schnell. Die Schwestern bemerkten, dass Wasser den Keller unter der Küche überflutete. Es dauerte nur wenige Minuten, dann war es nicht mehr möglich, in den Keller zu gelangen.

In Sicherheit gebracht

Frau Mutter, Sr. Benigna schickte die betagten Schwestern sofort in die erste Etage. Wenig später funktionierte der Lift nicht mehr. Nach und nach lief der ganze Keller voll, Scheiben wurden eingedrückt und Metallstangen verbogen. Die neue, erst halbjährige Gasheizung, die Waschküche, die Tiefkühlanlage, der Vorratskeller, Putzmaterialien und Werkzeug, alles ein Totalschaden. Klosterberater Walter Hess, Oberriet, war sehr schnell vor Ort und unterstützte die Schwestern. Um die Dimensionen zu veranschaulichen: Der vollgelaufene Teil des Untergeschosses hat eine Fläche von 840 m2. „Bei einer Wasserstandshöhe von zwei Metern ergibt dies 1‘680 m3 oder 1‘680‘000 Liter Wasser und Schlamm die innert einer halben Stunde den Keller füllten“, so die Berechnungen von Administrationsrat und Architekt Lothar Bandel, auch er ist momentan im Dauereinsatz.

Sisiphus-Arbeit

Noch in der Nacht auf den Dienstag schloss die Feuerwehr Pumpen mit einer Kapazität von 6000 Litern pro Minute an, ein Bauer aus der Umgebung füllte Güllefass um Güllefass. „Das Resultat war gleich Null“, veranschaulicht Sr. M. Angelika die Situation. Überall sei wieder Wasser nachgelaufen. Verhindert wurde aber, dass der Druck auf die Böden der Obergeschosse zu stark wurde oder der (leere und gereinigte) Öltank ganz ins Schwimmen geriet und gegen die Decke drückte. Ein Holzboden im Erdgeschoss ist trotzdem durchweicht. Es steht noch nicht fest, ob er samt tragenden Balken ersetzt werden muss oder getrocknet werden kann.

Küche ausser Betrieb

Vor dem Kircheneingang erreichte das Wasser die zweitoberste Treppenstufe. Unter dem Küchenbereich stieg der Wasserpegel immer höher. Wasser und Schlamm gelangten bis ins Erdgeschoss und überschwemmten Küche und Vorräume bis auf eine Höhe von ca. 30 bis 40 Zentimetern. Die Küche ist auch heute Donnerstag noch nicht in Betrieb, fleissige Helferinnen haben bereits intensiv geputzt, die untersten Regale und Schubladen wurden geräumt, ihr Inhalt soweit möglich gerettet und gereinigt. Bereits seit Dienstag verfügt  die Gemeinschaft wieder über Strom, seit Mittwoch über warmes Wasser.

Zivilschutz vor Ort

Auf einem Rundgang zeigen Sr. M. Angelika und Klosterberater Walter Hess die Schäden. Walter Hess ist im Dauereinsatz, telefoniert, organisiert, leitet alle nötigen Schritte ein. „Er ist eine Riesenhilfe“, betont Frau Mutter Sr. M. Benigna. Bereits in der Nacht auf den Dienstag stellte der Klosterberater das Gesuch um Hilfe durch den Zivilschutz, das auch genehmigt wurde. Seit Dienstag sind Angehörige von verschiedenen Zivilschutzorganisationen an der Arbeit, gegenwärtig aus Uzwil und Umgebung. Es ist berührend wie sehr sie sich einsetzen und den Schwestern dadurch und durch aufmunternde Worte einen Teil der Last von den Schultern nehmen. Sprüche wie: „Sie sind für das Geistliche zuständig, wir haben die Muskeln“ sorgen selbst in dieser Situation für ein fröhliches Lachen.

Nächste Schritte

Walter Hess hat die nächsten Schritte bereits eingeleitet. Die Experten von der  Gebäudeversicherungsanstalt sind unterrichtet, mit der Versicherung sowie den Handwerkern wird nach und nach alles nötige besprochen. Aktuell pumpen und schaufeln die Zivilschützer den letzten zähen und schweren Schlamm aus den Kellern. Zwölf grosse Mulden haben das Kloster bereits in Richtung einer von der Stadt Altstätten geschaffenen Zwischendeponie verlassen. In einer nächsten Phase, ab morgen Freitag, 1. August, beginnen Reinigungs- und Trocknungsarbeiten. Defektes Mobiliar und Vorräte müssen ersetzt werden, der Heizungsmonteur ist auf dem Platz.  
Heute machte sich auch Generalvikar Josef Rosenast ein Bild vor Ort. Das Bistum war stets in Kontakt mit der Gemeinschaft und wird helfen wo nötig. Froh sind alle darüber, dass weder im Kloster noch in anderen Gebieten von Altstätten Menschen zu Schaden gekommen sind. Auch waren KEINE KULTURGÜTER (um entsprechenden Gerüchten entgegenzuwirken) im Keller gelagert.

Für die Kapuzinerinnen beginnt eine schwierige Zeit. Bereits jetzt steigt der feuchte Modergeruch des Wasser-Schlammgemisches aus dem Keller in die Nase. Trocknungsgeräte werden viele Wochen laufen müssen und es gibt viel zu tun bis alles wieder funktionstüchtig ist. Hilfe kommt dabei auch aus anderen Klöstern, die beispielsweise die Wäsche übernehmen.

Frau Mutter Sr. M. Benigna und der ganzen Gemeinschaft ist es ein echtes Anliegen herzlich zu danken für die grosse Hilfsbereitschaft und den riesigen Einsatz aller Beteiligten Feuerwehr- und Zivilschutzorganisationen. Dank gebührt den Angestellten des Klosters, die viel Zusatzarbeit leisten müssen sowie Freiwilligen, die ganz spontan geholfen haben wie der Bauer mit seinem Güllefass oder Frauen, die die total verdreckte Küche geputzt haben. Vergelt's Gott!


(Bilder: Sabine Rüthemann, Kommunikationsbeauftragte)

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