„Bischof suchte die Aussensicht“

Franziska Gschwend
Franziska Gschwend neue Präsidentin Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe im Bistum St. Gallen
19.06.2014

„Bischof suchte die Aussensicht“

Franziska Gschwend neue Präsidentin Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe im Bistum St. Gallen

Das seit zwölf Jahren bestehende Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe im Bistum St. Gallen hat mit Franziska Gschwend (1979) aus St. Gallen eine neue Präsidentin. Sie folgt auf die Juristin Edith Brunner, die Ende 2013 zurückgetreten ist. Das Fachgremium berät den Bischof und die Bistumsleitung rund um die Problematik und wird bei konkreten Ereignissen aktiv.

Die neue Präsidentin ist als Juristin und Leiterin Rechtsdienstes im Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen bestens geeignet für diese Aufgabe. Denn auch der Schulbereich ist immer wieder mit dem Themenfeld Übergriffe konfrontiert, etwa bei Verdachtsfällen. Franziska Gschwend wurde auch aufgrund dieser Erfahrungen von Bischof Markus Büchel angefragt. „Zudem suchte er eine Präsidentin, die nicht sehr kirchennah ist, gesucht war vor allem eine Aussensicht“, sagt Franziska Gschwend, die katholisch ist, sich aber eher zu den „treuen Abwesenden“ mit sporadischem Kontakt zur Kirche zählt. „Dass dies ein Pluspunkt war für den Bischof hat mich beeindruckt und ich habe auch im Gespräch mit ihm erfahren, mit welcher Ernsthaftigkeit dieses Thema im Bistum St. Gallen behandelt wird“. 

Interdisziplinäre Zusammensetzung

Motiviert hat die neue Präsidentin zusätzlich die interdisziplinäre Zusammensetzung des sechsköpfigen Gremiums: Beatrice Truniger Blaser arbeitet bei der Kinder- und Jugendhilfe St. Gallen. Yvonne Steiner, Schwellbrunn, ist freischaffende Theologin und psychologische Beraterin. Sie ist zusammen mit Georg Schmucki, St. Gallen, pensionierter Pfarrer und Gefängnisseelsorger, Ansprechperson im Fachgremium. Peter Lampart schliesslich ist als Personalamtsleiter Mitglied der Bistumsleitung. Die Unabhängigkeit des Gremiums ist dem Bischof wichtig. Drei der fünf Mitglieder sind darum nicht bei der Kirche angestellt. Das Fachgremium ist Anlaufstelle für Menschen, die von sexuellen Übergriffen betroffen sind oder Übergriffe begangen haben. Die Bandbreite reicht von strafrechtlich meist nicht relevanten Fällen von Nähe/Distanz in der Erwachsenen-Seelsorge bis zu sexuellen Übergriffen gegen Kinder, die strafrechtlich zu verfolgen sind.  Die Gruppe klärt die Fakten,  entscheidet über Massnahmen, die eingeleitet werden müssen, gibt dem Bischof die entsprechenden Empfehlungen ab und kontrolliert und begleitet deren Umsetzung.

Anzeigen oder nicht?

Ob im Verdachtsfall Anzeige erstattet wird entscheiden grundsätzlich alle Beteiligten gemeinsam, in erster Linie ist es im Falle von Erwachsenen das Opfer. Um zu verhindern, dass Opfer nicht aussagen können und deshalb eine Anklage fallen gelassen werden muss, schaltet das Fachgremium nie von sich aus die Staatsanwaltschaft ein. Es kann sein, dass ein Opfer sich aufgrund der Unterstützung durch die Opferhilfe oder eine andere therapeutische Fachperson später dazu entscheiden kann. Zwang oder Druck in diese Richtung käme einem weiteren Übergriff gleich. Anders verhält es sich, wenn Kinder von einer sexuellen Straftat betroffen sind. Dann fordert das Fachgremium die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten und die verantwortlichen Behörden auf, bereits einen bestehenden Verdacht der Polizei zu melden.

 

Für Betroffene
Betroffene können sich zu jeder Zeit an die Ansprechpersonen des Fachgremiums sexuelle Übergriffe im Bistum St. Gallen wenden:
Yvonne Steiner, Schwellbrunn, Mobil 079 442 45 18, E-Mail:
info@yvonnesteiner.ch
Georg Schmucki, St. Gallen, Mobil 079 785 76 17, E-Mail:
schmucki.georg@bluewin.ch

 

 
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