Freudentag im Kloster


feierlicher Einzug in die Klosterkirche mit Sr. M. Chiara (links) und Sr. M. Elisabeth (rechts)
28.04.2014

Dass zwei junge Frauen am gleichen Tag die zeitliche Profess feiern ist nicht nur für die heutige Zeit aussergewöhnlich. Am Samstag tauschten Schwester M. Elisabeth Pustelnik (22) und Sr. M. Chiara Eicher (43) den weissen Schleier der Novizinnen gegen den schwarzen der Ordensschwestern.

Spiritual Pfarrer Max Fischer erwähnte in seiner Begrüssung das grosse (mediale) Interesse, was auch die bis auf den letzten Platz gefüllte Klosterkirche belegte. «Hedwig Eicher und Elisabeth Pustelnik hörten den Ruf Gottes und sie folgten ihm», freute sich Hauptzelebrant Josef Rosenast, Generalvikar Bistum St. Gallen, zu Beginn des Gottesdienstes. An die ersten Begegnungen hat er gute Erinnerungen. Sr. Chiara, sie ist seit dem 1. Advent 2011 im Kloster, traf er bereits in Wattwil, wo seine Tante gegenüber der Grossfamilie Eicher lebte. Viele Jahre später sah er Hedwig Eicher anlässlich der Pfarreivisitation in Wattwil wieder. Die gelernte Floristin hatte den Beruf gewechselt und arbeitete als Pfarreisekretärin. Vor zwei Jahren kam Sr. Elisabeth Pustelnik aus Norddeutschland ins Appenzellerland. «Meine erste Begegnung mit ihr hat mich mit tiefer Freude erfüllt», erinnert sich der Generalvikar. Sr. Elisabeth fand über das Internet ins Kloster. «Wir pflegen unsere Website sorgfältig, um auch junge Leute anzusprechen», sagt Frau Mutter Sr. Mirjam. Offensichtlich macht die Gemeinschaft, die auch einen bekannten Klosterladen mit Online-Versand führt, das sehr gut.

Freude und Dankbarkeit

Im Festgottesdienst mit dem Generalvikar und sieben Priestern, die mit dem Kloster und den Ordensfrauen verbunden sind, war Freude und Dankbarkeit spürbar. «Was erbittest Du?», fragte Josef Rosenast die Professkandidatinnen nach alt-überliefertem Ritus. «Ich bitte um die Erstprofess vor Gott und um Namen des Vater Franziskus und der heiligen Klara. Im Glauben möchte ich mich immer tiefer verwurzeln, damit ich so eine Frucht an Jesu Rebstock sein darf», so die Antwort von Sr. Chiara Hedwig. Sr. Elisabeth sagte: «Ich möchte in dieser Gemeinschaft mein Leben Gott und der Kirche weihen. Eine Gemeinschaft in Christus bedeutet ein gemeinsames miteinander in Liebe, in Freud und Leid. (…) Ich bitte euch um die Ablegung der zeitlichen Gelübde, damit auch ich den Weg Christi gehen darf, sich mein Weg und euer Weg zu einem gemeinsamen Weg vereinen».

Keine Weltflucht
In seiner Predigt freute sich Josef Rosenast, selbst Ordensmann bei den Pallottinern, über die Berufungen. Er sprach über den Wert der Beständigkeit in einer Welt der unzähligen Möglichkeiten und der alltäglichen Hektik, betonte aber genauso, dass das Klosterleben keine Weltflucht bedeute. «Ordensleute geben auf spezielle Weise Zeugnis dafür, dass die Frohbotschaft tragend ist für das ganze Leben». Nach der Predigt erklärten Sr. Chiara und Sr. Elisabeth vor dem Generalvikar und der Gottesdienstgemeinde ihre Bereitschaft in Armut, Gehorsamkeit und Keuschheit Christus nachzufolgen. Mit den Worten «Gott helfe Dir, dein Vorhaben zu verwirklichen» war die Befragung abgeschlossen.

Professversprechen
Die Schwestern legten nun vor Sr. Mirjam das Professversprechen ab. Im je handschriftlich verfassten Text heisst es unter anderem: «Zum Lob der allerheiligsten Dreifaltigkeit und im Vertrauen auf die Fürsprache der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, unseres Heiligen Vaters Franziskus, der heiligen Klara und aller Heiligen lege ich die zeitlichen Gelübde ab. Ich gelobe und verspreche vor Gott, vor den hier Versammelten, in Deine Hände Frau Mutter Sr. Mirjam für drei Jahre Jesus Christus nachzufolgen (…)». Die zwei Schwestern bekamen den schwarzen Schleier und die heilige Schrift. Es folgte die Eucharistiefeier. Die Appenzeller Streichmusik-Familie Koch bereicherte den Gottesdienst mit wunderschönen heimischen Klängen. Nach dem von Sr. Josefa an der Orgel gespielten Lied «Grosser Gott wir loben Dich…», waren alle zur weltlichen Feier in den Festsaal des Klosters eingeladen.

Der richtige Weg
Dort herrschte fröhliche Stimmung. Die ehemaligen Novizinnen nahmen unzählige Gratulationen und Segenswünsche entgegen. Sr. Elisabeth's Eltern aus Bad Salzuflen sind überzeugt: «Unsere Tochter hat ihren Ort gefunden, sie ist sehr glücklich hier». In Kontakt mit Elisabeth bleiben sie trotz der Distanz, über Videotelefonie und gelegentliche Besuchen. Für Sr. Chiara's Geschwister – ihre Eltern sind verstorben – kam der Entscheid zum Klostereintritt nicht überraschend. Er sei beeindruckt, dass sie das tatsächlich «durchziehe», dass da kein Zweifel sei, sagte einer ihrer Brüder. Nebst der Familie begleiteten viele Bekannte aus dem Toggenburg die Wattwilerin an diesem wichtigen Festtag.

Zeit der Überprüfung

Jetzt folgen für die beiden Kapuzinerinnen weitere drei Jahre bis zur ewigen Profess, nochmals eine Zeit, um die Entscheidung zu überprüfen. Im Kloster Leiden Christi leben zehn Ordensschwestern. In der Hochblüte des 163-jährigen Klosters waren es bis 40. «Zweimal zeitliche Profess, das ist ein wunderbares Geschenk», sagt Frau Mutter Sr. Mirjam. Wer weiss…? Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Verjüngung der Gemeinschaft zu weiteren Berufungen führt.

 
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