40 Jahre FaKaRu


Othmar Wyss und Agnes Kappeler
07.04.2014

Gott als Lebensbegleiter näher bringen

Bistumsfachstelle Katechese und Religionsunterricht feiert Jubiläum

Die FaKaRU, Fachstelle für Katechese und Religionsunterricht des Bistums St. Gallen feiert den 40. Geburtstag. Hauptaufgaben der Fachstelle sind Ausbildung von teilamtlichen Katechetinnen, sowie Weiterbildung und Begleitung aller Religionslehrpersonen. Seit 24. Februar dieses Jahres ist die FaKaRU EDUQUA-Zertifiziert.

Für einmal sei allein die weibliche Form Katechetinnen erlaubt. Meist sind es Frauen, welche die seit 2010 modular und für die ganze Deutschschweiz mit denselben Kompetenz- und Lernzielen angebotenen Ausbildung gemäss Formodula absolvieren. Sie dauert drei bis fünf Jahre, zehn Module mit zwischen 80 und 180 Lernstunden. „Formodula definiert Kompetenzen und Ziele des Lehrganges, die EDUQUA-Zertifizierung durch die Fachhochschule St. Gallen bedeutet die Überprüfung der Bildungsqualität“, erläutert Otmar Wyss-Fent, seit 2009 Stellenleiter der FaKaRU. Er wird in der Vorbereitung und Durchführung der Aus- und Weiterbildungsangebote unterstützt von Agnes Kappeler. Sie ist selber Katechetin und bringt so als Sekretärin der FaKaRU beste Voraussetzungen mit.

Teilamt als Ausbildungsart

Nach erhalt der Fachausweise, dürfen teilamtliche Katechetinnen bis zu 12 Lektionen Religionsunterricht erteilen, das entspricht bis zu 50 Stellenprozenten. Wieso diese Begrenzung? „Teilamt bezeichnet eigentlich eine Ausbildungsart“, sagt Otmar Wyss-Fent. Hauptamtliche Katechetinnen und Katecheten studieren an einer Hochschule oder Fachhochschule, in den Pfarreien übernehmen sie zusätzlich zu den höchstens 12 Schulstunden Aufgaben wie Jugendarbeit oder Erwachsenenbildung. In den vergangenen 40 Jahren hat sich in Schule und Kirche viel bewegt und die Veränderungen gehen weiter. Dem trägt auch die Ausbildung Rechnung. Früher hatten es Religionslehrkräfte vor allem mit „katholisch-christlich-sozialisierten“ Kindern zu tun. Heute ist dies viel weniger der Fall. „Viele Kinder haben keine oder kaum Erfahrung mit Beten oder mit Ritualen wie dem Kreuzzeichen“, nennt Otmar Wyss-Fent zwei Beispiele. Dies mag erstaunen, wenn die Erstkommunion immer noch bei fast 100 Prozent aller katholischen Familien als wichtiges Fest gefeiert wird. Logisch, dass die Vorbereitungen anders gestaltet werden als vor 40 Jahren.

Veränderter Schulstoff

Der Schulstoff hat sich ebenfalls stark verändert. In der Zeit des katholischen Milieus wurde religiöses Wissen vermittelt, aufbauend auf Erfahrungen im Elternhaus. Später, ab den 70-er Jahren, übernahmen Religionspädagogen immer häufiger lebenskundliche Themen wie Drogen, Sexualität oder Gewalt. In neuerer Zeit geht der Religionsunterricht hin zur Basis-Einführung in Glaubensfragen, die für den Alltag, für das Leben von Bedeutung sind. „Das können Themen wie Schuld und Vergebung sein“, erläutert Otmar Wyss-Fent. „Wir möchten den Kindern Gott als zuverlässigen, liebenden Begleiter durch das ganze Leben näher bringen“.

Am Samstag 5. April 2014 feiern 150 Katechetinnen und Gäste in St. Gallen das Jubiläum der FaKaRU. Zum Festgottesdienst mit Bischof Markus Büchel, 10 Uhr, Kathedrale St. Gallen, sind alle herzlich eingeladen.

 

Medienbericht über die Jubiläumsfeier 40 Jahre FaKaRu

„Nicht Leiden, sondern Leidenschaft“

Bistums-Fachstelle Katechese und Religionsunterricht fakaru feierte Jubiläum

Weit über 1000 Katechetinnen im Teilamt (meistens Frauen, bedeutend weniger Männer) wurden in 40 Jahren durch die fakaru ausgebildet. Hunderte leisten heute ihren Dienst in den Schulen der Bistums-Kantone St. Gallen, Appenzell Inner- und Ausserrhoden. Am Samstag wurde das Jubiläum mit Festgottesdienst, Podiumsdiskussion und Kabarett gefeiert.

Bischof Markus Büchel dankte im Festgottesdienst allen, die für den Religionsunterricht in den Schulen verantwortlich sind. „Ich traue ihnen zu, dass sie nicht leiden, sondern mit Leidenschaft unterrichten“, sagte der Bischof. Im Wandel von Kirche und Gesellschaft bleibe stets die Zusage Jesu: „ich bin bei Euch bis ans Ende aller Tage“. Er sei optimistisch, dass die Kirche auch in diesem Wandel bestehen und blühen könne. Bischof Markus Büchel lobte seinen Vorvorgänger, Bischof Otmar Mäder, der „ein Herz hatte für die neue Zeit und die religionspädagogische Entwicklung nicht nur im Bistum, sondern in der ganzen Schweiz vorausschauend prägte“. Ebenso dankte der Bischof dem kath. Konfessionsteil und den Kirchgemeinden für die finanzielle Ermöglichung eines professionellen Religionsunterrichtes an den Schulen.

Hochstehendes Bildungssystem

Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Pfalzkeller folgten Dankes und Grussworte. Filippo Niederer, Mitglied der Bistumsleitung und Leiter des Amtes für Katechese und Religionspädagogik dankte dem fakaru-Team Othmar Wyss (Leiter) und Agnes Kappeler (Sekretariat) für ihre wichtige Arbeit im Dienst der Aus- und Weiterbildung für Religionspädagogen. Regierungsrat Stefan Kölliker würdigte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bildungsdepartement und den Konfessionen. Es sei trotz teilweise unterschiedlicher Auffassungen gelungen, ein qualitativ hochstehendes Bildungssystem zu entwickeln, von welchem letztlich der ganze Kanton profitiere. In welcher Form der Religionsunterricht in die St.Galler Volksschule eingebettet sein wird, wenn 2017 der neue Lehrplan 21 in Kraft tritt, ist unser gemeinsames Thema. Wir bauen dabei auf beste Erfahrungen in der Zusammenarbeit, auf langjährige Wertschätzung und auf grosses Vertrauen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in diesem Punkt eine gute Lösung finden werden“, sagte der Regierungsratspräsident. Martin Schmidt, Kirchenratspräsident evang.-ref. Kirche Kanton St. Gallen betonte die gute ökumenische Verbundenheit. Zu den anwesenden Religionslehrpersonen sagte er: „Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die dem religiösen Analphabetismus entgegenwirken“. Religionspädagoginnen seien keine „diplomierten Märchentanten“ sondern qualifizierte Fachkräfte. „Wir haben als Partner der Schule etwas einzubringen“, betonte Martin Schmidt.

Sprachlosigkeit in Familien

Prof. em. Dr. Jürgen Oelkers, Institut für Erziehungswissenschaften Universität Zürich, Prof. Dr. Helga Kohler-Spiegel, Pädagogische Hochschule Vorarlberg und Florin Rupper, Alterziehungsrat Kanton St. Gallen, diskutierten anschliessend unter der Leitung von Guido Estermann, Religionspädagoge, Kriens zum Thema „Wurzeln und Flügel braucht das Kind - Gehört Religion zu einer ganzheitlichen Bildung?“. Es herrschte ein Konsens darüber, dass der Religionsunterricht in den Schulen Platz haben solle. In vielen Familien herrscht eine gewisse Sprachlosigkeit, wenn es um existentielle Fragestellungen wie beispielsweise die Endlichkeit des Lebens geht. Auch Prof. Oelkers betonte: „Wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, religiöse Analphabeten zu erziehen, dann muss der Religionsunterricht in den Schulen bleiben“. „Kinder haben ein Recht darauf, mit ihren Fragen nicht alleine gelassen zu werden“, sagte Prof. Helga Kohler-Spiegel. Auch Florin Rupper unterstrich diese Aussagen.

Sie erfinden nichts

Mit dem Kirchenfrauen-Kabarett aus Vorarlberg ging das Jubiläumsfest zu Ende. Die  Frauen beobachten das Geschehen in der Kirche aufmerksam und sammeln öffentliche Aussagen und Taten hoher Kirchenmänner und deren Gefolgsleute und verarbeiten diese humorvoll zu Kabarett. „Und dass wir dabei nichts erfinden, werden wir nicht müde zu betonen“, unterstrichen die Kirchenfrauen. Der Auftritt war ein erfrischend-humorvoller Abschluss des Festtages. Laut Kirchenrecht "haben die Gläubigen das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, sowohl den geistlichen Hirten als auch den übrigen Gläubigen kundzutun." (Can. 212 Par. 3) Die Kirchenfrauen vom Kirchenfrauen-Kabarett tun dies auf ihre eigene, sicher auch provokative Weise, aber stets auch mit Wohlwollen für die Kirche. (inf./Sabine Rüthemann)

 

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