Voll im Saft


Priska Filliger Koller von der Daju - Fachstelle kirchliche Jugendarbeit Bistum St. Gallen.
28.03.2014
Sabine Rüthemann

Im Jubla-Lager bilden sich Pärchen, auf dem Segelturn sind Teilnehmende verliebt über beide Ohren, Flirt und Anmache überschreiten Grenzen oder Nacktbilder werden online gestellt.
Sexualität ist auch in der kirchlichen Jugendarbeit ein herausforderndes Thema.

Über 80 Seelsorgende und Jugendarbeiterinnen, Mitglieder von kirchlichen Räten und in der Jugendarbeit engagierte Freiwillige aus dem Bistum St. Gallen, inklusive Bischof Markus Büchel, diskutierten am Mittwoch, 26. März, über das Dauerbrenner-Thema. Es beflügelt und fordert heraus wenn Jugendliche sich treffen. Sie gehen Beziehungen ein, haben Liebeskummer, entwickeln eine sexualisierte Sprache und begegnen dem Thema in Filmen, auf Plakaten, im Internet. Vieles wird auf der Suche nach der eigenen Identität ausprobiert. Das öffentliche Tabu ist im heutigen Alltag ein Stück weit gebrochen, es findet aber wenig vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema statt.

Spirituelle Begleitung

Jugendseelsorgende möchten das sexuelle Suchen von Menschen auch spirituell aufnehmen und den jungen Menschen auf ihrem Weg mit vielen Fragen ein wertschätzendes und wenn nötig kritisches Gegenüber sein. So begann der Anlass unter dem Titel „Voll im Saft“ mit einer Besinnung in der Kirche St. Mangen, in der bliblische Liebestexte wie das Hohelied Salomos gelesen wurden. Charlotte und Roland Küng-Bless trugen Liebeslieder vor. Anschliessend hielt Roberto Giacomin, Sexualpädagoge Fachstelle für Aids- und Sexualfragen in St. Gallen, ein Impulsreferat. Der Referent veranschaulichte, wie Jugendliche ab ca. 11 bis 18 Jahren Schritt für Schritt von der engen Elternbindung hin zu einer Partnerschaft gehen. Massiv wichtiger werden in dieser Phase auch gute Freunde/Freundinnen.

Unsicherheiten und Fragen

Während zwischen 6 und 12 Jahren noch heimliche Küsse und verstohlen zugesteckte Liebesbriefe die Regel sind, werden in der Pubertät Liebesbeziehungen öffentlicher. Körperliche Entwicklungen gehen einher mit  Unsicherheiten. Sind meine Brüste gross genug, stimmt die Figur oder habe ich genügend Muskeln? Wie gehe ich mit Anmache um? Wann sage ich Nein? „Die körperliche Entwicklung setzt heute viel früher ein“, ergänzte Roberto Giacomin und erzählte von einer elfjährigen, die schwanger wurde. Besonders erwähnte der Referent die zwischen drei und zehn Prozent der Jugendlichen, die ihre Homosexualität entdecken. Sie haben eine vier bis siebenmal höhere Suizidrate, leiden häufig unter Nichtakzeptanz in Familie und Freundeskreis, unter Mobbing und Diskriminierung. Erwachsene haben die Aufgabe, genau hinzuschauen und Gelegenheit zu respektvollem Gespräch zu bieten. In den Gruppendiskussionen wurden Fallbeispiele diskutiert, wie sie in der Jugendarbeit vorkommen können. Wie helfen bei Liebeskummer? Was tun wenn sich Leiter-Pärchen im Jubla-Lager immer wieder von der Gruppe absetzen? Wenn sich Mädchen belästigt fühlen? Wohl alle haben solche Situationen schon erlebt.

Gefährliches Sexting

Nur ein Phänomen ist neuer: das Sexting. Der Begriff setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „sex“ und „texting“ und bedeutet den Austausch von selbst gemachten intimen Fotos von sich oder anderen über das Internet. Die psychischen Folgen sind massiv, zumal viele nicht wissen oder zu naiv sind zu ahnen, dass einmal ins Netz gestellte Bilder oft nie mehr aus dem Internet verschwinden. Zudem macht sich bereits ein Jugendlicher unter 16 Jahren strafbar, wenn er pornografische Bilder verbreitet. Dies gilt rechtlich gesehen als Anbieten von Kinderpornografie. (inf./Sabine Rüthemann)



 



 

 
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