Ökumene braucht immer wieder Vergewisserung

15.11.2007

Die Ökumene in ihren vielschichtigen Facetten war Thema der Herbst-Seelsorgeratstagung in Quarten. Bischof Markus Büchel berichtete von der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu. Zu Gast waren am Samstag drei Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Appenzell/St.Gallen (ACK-ASG), mit denen die Seelsorgeräte ins Gespräch kamen. An der Tagung wurde deutlich, dass die Ökumene immer neu der Vergewisserung bedarf.

Zunächst hielt Thomas Englberger vom diözesanen Amt für Pastoral und Bildung ein Impulsreferat mit dem Titel „Die römisch-katholische Kirche und die anderen Kirchen“. Leitfaden war das Dokument des II. Vatikanischen Konzils über die Ökumene, das von der Notwendigkeit der „Wiederherstellung der Einheit aller Christen“ spricht. Sie ist für die Konzilsväter in fünf Schritten zu vollziehen: 1. Der respektvolle Umgang mit den Christen anderer Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sowie der Verzicht auf Polemik. 2. Durch den Dialog eine bessere Kenntnis und gerechtere Würdigung sowohl der eigenen Kirche wie auch der anderen christlichen Konfessionen erwerben. 3. Gemeinsame Praxis in Diakonie und Liturgie. 4. Selbstkritische Erneuerung. 5. Eucharistische Gemeinschaft als letztes Ziel und Inbegriff der Einheit.

Erfahrungen aus 2000 Jahren

Thomas Englberger zeigte auf, welche Erfahrungen die katholische Kirche im Laufe ihrer 2000-jährigen Geschichte gemacht hat: Im Mittelalter die Trennung von den Ostkirchen, im 16. Jahrhundert die Spaltungen, welche durch die Reformation ausgelöst wurden. Die einzige Ökumene, die sich die katholische Kirche lange Zeit vorstelle konnte, war die Rückkehr der anderen nach Rom. Das II. Vatikanische Konzil hat diese Vorstellung zurückgestellt zugunsten einer Gemeinschaft christlicher Kirchen in legitimer Vielfalt. Damit hat die katholische Kirche im Ökumenismus-Dekret eine mutige Öffnung und Selbstkorrektur vollzogen.

Verwunderung und Verwundung

Das letzte ökumenische Sommergewitter sei darauf zurückzuführen, dass im Motu proprio vom Juni 2007 das überkommene Selbstverständnis der Kirche aufscheint. Demnach ist die römische Kirche eine durch die Abspaltungen verwundete, aber im Kern doch die eine Kirche, die Jesus verheissen bzw. vom Vater erbeten hat. Dass den aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen damit zugleich das „Kirchesein im Vollsinn“ abgesprochen wird, löste Verwunderung und Verwundungen aus. Die „Sehnsucht nach Einheit“ dürfe sich davon aber nicht irritieren lassen. Sie ist nicht selbstverständlich, sondern müsse gepflegt und wach gehalten werden.

Bericht aus Sibiu

Bischof Markus Büchel, einer der ca. 60 Schweizer Delegierten an der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3) in Sibiu/Rumänien, bekannte: „Ökumene ist für mich wesentlich!“ Nach dem ökumenischen Sommergewitter, teils mit Hagelschlag, teils reinigend, sei er sehr froh gewesen um das Treffen in Sibiu. An der EÖV3 unter dem Motto „Das Licht Christi scheint auf alle“ hatten 2500 Delegierte aus rund 30 verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften aus ganz Europa teilgenommen. Der Weg führte in ein von der orthodoxen Kirche geprägtes Land. Die Versammlung habe deutlich gemacht, dass die Kirche nicht Selbstzweck sei, sondern einen Auftrag, eine Sendung habe für die ganze Welt. Eine der Kernfragen war: Was heisst Christsein heute? Er habe die Vielfalt als Reichtum erfahren, gerade auch im gemeinsamen Gebet, geprägt von verschiedenen Traditionen, sagte Markus Büchel. Nun gelte es, die ökumenischen Erlebnisse in die Region zu tragen, die Anregungen aufzunehmen und in der Ökumene weiter zu arbeiten. Gemeinsames Fundament ist die „Charta oecumenica“, die 2001 von den Kirchen Europas verabschiedet wurde und welche die ACK-ASG nun in die Gemeinden trägt. Am 19. Januar 2008 soll sie von den Mitgliedskirchen der ACK in der Kathedrale St.Gallen feierlich unterzeichnet werden.

Versöhnte Verschiedenheit

Die Gäste aus der ACK, Pfarrerin Christa Frey von der Evangelisch-methodistischen Kirche, Pfarrer Jakob Bösch von der Evangelisch-reformierten Kirche, und Kapitän Lukas Wittwer von der Heilsarmee stellten zunächst auf sympathische Weise ihre konfessionelle Familie vor. Dann sprachen sie über ihre Wahrnehmung der katholischen Kirche und der Ökumene. Für Jakob Bösch gilt „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ als Motto für das ökumenische Miteinander. Christa Frey sagte: „Einheit bedeutet nicht, dass es nur eine Kirche gibt. Denn es kann von Harmonie keine Rede sein, wenn nur einstimmig gesungen wird!“ Lukas Wittwer, der von der ökumenischen Jugendarbeit in Rheineck berichtete, sieht die ökumenische Zusammenarbeit als Frucht des Glaubens. „Es braucht immer wieder die Vergewisserung der Ökumene“, fasste Franz Kreissl vom diözesanen Amt für Pastoral und Bildung die Tagung zusammen, „weil wir leicht vergessen, wie wichtig die Ökumene ist!“ Nach der Trennung der Ostkirche 1054 und der Reformation vor 500 Jahren, habe die Kirche eine lange Geschichte der Trennung erlebt. Nun gelte es sich zu vergewissern: „Der ökumenische Weg ist Teil unseres Christseins im Alltag.“ Diese Gewissheit ist an der Seelsorgeratstagung in Quarten wieder klarer und wertvoller geworden.

 
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