Frauenbund

25.05.2016

Nach sieben Jahren an der Spitze des Verbandes gibt Rosmarie Koller-Schmid ihr Amt ab. Designierte Nachfolgerin ist Simone Curau-Aepli aus dem Kanton Thurgau.

 
Am 24. Mai 2016 hat Rosmarie Koller-Schmid ihren letzten Auftritt als SKF-Präsidentin. Als sie vor sieben Jahren in dieses Amt gewählt wurde, ermutigte sie Frauen, Stellung zu beziehen. Sie selbst exponierte sich an der Verbandsspitze für die Gleichstellung der Frauen in Kirche, Gesellschaft und Politik und setzte sich in der Allianz «Es reicht!» zusammen mit andern katholischen Verbänden für eine befreiende und glaubwürdige katholische Kirche ein. Zum Abschied von Rosmarie Koller-Schmid und zur Wahl ihrer Nachfolgerin werden rund 300 Delegierte erwartet.

weitere Informationen auf der Website des Frauenbundes. (Delegiertenversammlung vom 24. Mai 2016)


Nachstehend ein Portrait von Rosmarie Koller (von Monica Dörig):

Für Überzeugung einstehen, auch bei Gegenwind

Rosmarie Koller verabschiedet sich als Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes SKF

Rosmarie Koller-Schmid aus Steinegg führte acht Jahre lang den grössten konfessionellen Verband der Schweiz, den Schweizerischen Katholischen Frauenbund. In ihrer Präsidentschaft machten sie und ihr Team die Organisation zukunftstauglich und standen ein für die Anliegen von Frauen und Familien, für eine liberale Haltung in kirchlichen Fragen und für Gleichberechtigung.

Dreimal hat Rosmarie Koller an grossen Kundgebungen teilgenommen in ihrer Zeit als Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF) – ganz neue Erfahrungen für die 62-Jährige. Sie hat vor einigen Jahren den Ortsverband, die Frauen- und Müttergemeinschaft Appenzell fünf Jahre lang präsidiert, dann ebenso lang den Kantonalverband und wurde 2008 in den Vorstand des SKF gewählt. Ein Jahr lang führte sie ihn auf eigenen Wunsch «auf Probe», bevor sie zu dessen Präsidentin gewählt wurde. 

Zum SKF gehört auch das  Elisabethenwerk, das mit eigenen Fachleuten vor Ort, finanziert durch Spenden, in Südamerika, Indien und Afrika langfristige Frauenprojekte aufbaut und betreut. Rosmarie Koller bleibt auch nach ihrem Rücktritt in dessen Stiftungsrat tätig. Oder das Solidaritätswerk für Mutter und Kind SOFO, das leider nach wie vor sehr gefragt ist. «Armut ist weiblich», sagt Rosmarie Koller im Hinblick auf die Vielzahl alleinerziehender Frauen, die in der reichen Schweiz in finanzielle Not geraten.

Guter Zeitpunkt für Stabübergabe

Rosmarie Koller sagt, das besonders Schöne und die spezielle Herausforderung beim Führen des SKF seien die Freiwilligen. Sie sei immer wieder tief beeindruckt gewesen auf wieviel uneigennütziges Engagement die Schweiz zählen kann. Im Gegensatz zu einem Unternehmen gehe es in einer Organisation wie dem SKF nicht um Karriere sondern um die Sache, um Teamwork und Motivation. Was müde machen könne, sei der ständige Wechsel in den Vorständen der angeschlossenen Vereine, gesteht sie. «Aber frischi Loft tuet all guet», fügt sie an.

Das ist mit ein Grund für ihren Rücktritt nach acht Jahren. Es gibt weitere Gründe: Die Demission hat sie vor fast zwei Jahren angekündigt, nachdem der Verband finanziell nachhaltig auf stabile Füsse gestellt worden war.. Das hatte Rosmarie Koller durch den Verkauf des Bildungshauses Matt in Schwarzenberg und die Erhöhung der Mitgliederbeiträge erreicht. Letzteres habe sehr viel Überzeugungsarbeit an der Basis nötig gemacht, erzählt sie. Ausserdem war das Jubiläum des SKF, das sie mitorganisiert hatte, öffentlichkeitswirksam über die Bühne des KKL Luzern gegangen. «Und nun steht mit Simon Curau-Aepli eine ideale Nachfolgerin bereit», erklärt Rosmarie Koller.

Sie fühlt sich reich beschenkt durch die Zusammenarbeit mit motivierten Idealistinnen, sowohl an der Basis und im Vorstand, als auch in den Fachgremien, durch die Begegnungen mit spannenden Frauen aus allen Schichten – mit Haltungen von konservativ bis liberal und mit politischen Ansichten von ganz rechts bis ganz links. Diese Kontakte werde sie nach ihrem Rücktritt am meisten vermissen, bedauert sie.

Selbstbewusstes Auftreten

Der SKF steht dafür ein, dass Frauen gleichberechtigt sind in der Gesellschaft, im Beruf und irgendwann auch in der katholischen Kirche. «In der Kirche wird viel über Frauen geredet, gefragt werden sie aber kaum; meist wird über sie bestimmt», sagt Rosmarie Koller. Mit dieser Ansicht ist sie in konservativen Kreisen angeeckt, auch mit ihrer Kritik an der Haltung des Bistums Chur im Umgang mit seinem Personal. Bischof Huonder ist der einzige Schweizer Bischof, den sie in ihrer Amtszeit nicht besucht hat.

Sie sei in den Bistümern immer freundlich empfangen worden, öfters habe sie aber Desinteresse gespürt. Vielleicht habe sie wenigsten das Feindbild, das gewisse Kirchenvertreter vom SKF haben, demontieren können, hofft sie. Sehr gute, von Wertschätzung geprägte Gespräche erlebte sie in den Treffen mit Bischof Markus Büchel (Bistum St.Gallen) sowie mit den Einsiedler Äbten Martin Werlen und Urban Federer.

Rosmarie Koller findet es schade, dass heute viele Menschen, weil sich nichts bewegt, resigniert aus der Kirche austreten. Sie bevorzugt selbstbewusstes «Auftreten statt Austreten», wie das Motto einer Kampagne lautete, an der der SKF mitbeteiligt war. Die Haltung von Papst Franziskus bedeute für kirchlich engagierte Frauen ein Silberstreifen am Horizont, sagt sie weiter. Erst kürzlich hat er versprochen, eine Kommission einzurichten, um die Frauen-Diakonie zu prüfen. «Doch in der katholischen Kirche mahlen die Mühlen extrem langsam».

Gegenwind aushalten

Früher sei sie geduldiger gewesen, sagt Rosmarie Koller. Sie habe in ihrer Tätigkeit als Verbandspräsidentin gelernt, dass «stilles Hoffen» kaum etwas bringt. Heute gehe sie Probleme proaktiv an und stehe für ihre Überzeugung ein, auch wenn nicht alle damit einverstanden sind. In einem Amt wie dem Präsidium des SKF müsse man Gegenwind ertragen können. Weil sie sich von den Vorstandsfrauen getragen gefühlt hat, konnte sie sich exponieren, sagt sie.

Der SKF beschäftigt elf Fachfrauen als Teilzeitangestellte, unter anderem in den Bereichen Theologie und Ethik. Der Austausch mit ihnen sei unerhört wertvoll und interessant gewesen, erinnert sich Rosmarie Koller.

Stolz macht sie, dass der SKF in den letzten Jahren – auch dank der Vorarbeit ihrer Vorgängerinnen – mehr Gewicht erhalten hat, sowohl in Diskussionen der Kirche als auch in gesellschaftlichen, ethischen und politischen Fragen. Der SKF wird zu Vernehmlassungen eingeladen und Medien erfragen Stellungnahmen. Und die DV von heute, wenn Rosmarie Koller die Leitung des SKF abgibt, besucht gar Bundesrätin Doris Leuthard.

Die über 150 000 Mitglieder des SKF sind ausserdem mit einer Co-Präsidentin in der europäischen Allianz der katholischen Frauenverbände vertreten. Es ist auch eine SKF-Frau, die den katholischen Frauen im Europa-Rat eine Stimme gibt.

Wünsche für die Zukunft

Mindestens einmal pro Woche fuhr Rosmarie Koller in den letzten acht Jahren nach Luzern wo sich die Geschäftsstelle des SKF befindet. Daneben machte sie viele Besuche bei Vereinen und Versammlungen in allen Ecken der Schweiz, nahm an Veranstaltungen teil, tauschte sich mit Politikern und Theologinnen aus. Sie habe ihr Land ganz neu kennengelernt, freut sie sich.

Rosmarie Koller wird Humor und Schlagfertigkeit attestiert. Sie selbst nennt als Erfolgsrezept: «Ich bin immer ich selber geblieben, dadurch konnte ich alles gelassen angehen». Schon vor 20 Jahren hat sie sich in professionellen Führungskursen weitergebildet.

Für den SKF wünscht sie sich viele motivierte Freiwillige und die notwendige Verbindlichkeit um auch in Zukunft für die Anliegen der Frauen einstehen zu können. Leider spürt auch der SKF Mitgliederschwund. «Nur wenn der SKF stark genug ist, sich der Herausforderungen des Alltags anzunehmen, hat er Zukunft», ist Rosmarie Koller überzeugt. Gegen Ende ihrer Amtszeit hat der Vorstand deshalb neue Strategien entwickelt.

Von den Frauen wünscht sie sich, dass sie hinstehen für ihre Überzeugungen, «auch wenn ihnen der Wind ins Gesicht bläst». Für sich selbst wünscht sie sich, dass vielleicht noch eine sinnvolle Aufgabe auf sie wartet. Vorläufig will sie die freie Zeit mit ihrer grossen Familie geniessen.

 
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