Appenzeller Jubiläum

24.05.2016

«Ein bisschen Lob» – grosse Festfreude

Gedenkgottesdienst in Appenzell zum Jubiläum der Bistums-Zugehörigkeit

Ein strahlender Föhntag, ein Bischof, der zu den Appenzellern hinaufschaut: Das sonntägliche Fest, mit dem gefeiert wurde, dass das Appenzellerland seit 150 Jahren zum Bistum St. Gallen gehört, war eindrücklich.

Es waren am 22. Mai auf den Tag genau 150 Jahre, seit der damalige Bischof Greith der Standeskommission mitteilte, er habe die ihm vom Papst übertragene Administratur des Appenzellerlandes angenommen. Daran erinnerte zu Beginn des Festgottesdienstes, zu dem Abordnungen aller 15 Pfarreien des Dekanats Appenzell erschienen waren, Reto Oberholzer, Pfarradministrator von Herisau, in seiner Eigenschaft als Appenzeller Dekan.

Es war ein feierlicher Gottesdienst mit Frauen in der Landestracht, den Landammännern Inner- und Ausserrhodens, Delegationen aus allen Appenzeller Pfarreien sowie einer Zahl von Seelsorgern im Chor vorne, wie das sonst nie zu sehen ist. Der Kirchenchor unter der Leitung von Stefan Holenstein sang die «Peter und Paul-Messe» von Carl Rütti für Chor, Bläser, Pauke, Orgel und Gemeinde mit Texten von Pfarrer Bernhard Schibli, der die traditionellen Texte ins heutige Sprachverständnis übersetzt hat. An der Orgel wie immer souverän Johann Manser.

«Steinerne Alpstein-Theologie»

In seiner Festpredigt spann Bischof Markus Büchel die Geschichte weiter: Bischof Greith habe auch einen Hirtenbrief geschrieben, den er mit Gallus begonnen habe. Und ohne Gallus gäbe es das Appenzellerland in der jetzigen Form nicht. Deshalb gelte es Dank zu sagen für dieses Geschenk und die Gnade des liebenden Gottes zu verkünden.

Den Wanderern begegne im Appenzellerland eine bemerkenswerte steinerne Theologie: Die Kreuzberge und die Dreifaltigkeit. Für ihn als Kind in den Niederungen des Rheintals (der Bischof ist in einer Bauernfamilie in Rüthi aufgewachsen) sei klar gewesen, dass hinter den Kreuzbergen ein frommes Volk leben müsse, das klösterlich geprägt sei und mit einem Abt etwas zu tun habe.

Heute könne der Bischof von St. Gallen sagen, der damalige Entscheid des Papstes sei gut gewesen. Die kantonalen, staatskirchenrechtlichen Angelegenheiten würden in freundschaftlich-fairen Verhandlungen immer wieder geklärt; was die kirchlich-kanonischen Dinge betreffe, sei das kleine Bistum St. Gallen mit acht Dekanaten zu einer pastoralen Grösse zusammengewachsen. Darin würden die kulturellen und konfessionellen Verschiedenheiten nicht nur zur Konkurrenz, sondern auch zur gegenseitigen Bereicherung. Es gebe ja nicht nur die St.Galler und Appenzeller; es gebe auch die Toggenburger, die Rheintaler, die Sarganserländer, die Gebiete ennet dem Ricken. Der Bischof zeigte sich dankbar, «wenn die gemeinschaftsbildenden und kulturellen Schätze in den Regionen gepflegt und bewahrt werden; in ihnen wird auch viel religiöses Gut überliefert, das im Wandel der Zeit immer wieder aktiviert werden kann».

In den Niederungen, statt von oben herab

Bischof Markus freute sich, die Appenzellerinnen und Appenzelller «auch ein bisschen loben» zu dürfen; in den letzten Jahrzehnten hätten einige Früchte des guten Miteinanders das Bistum geprägt. Das Firmprojekt mit jungen Erwachsenen habe seinen Ursprung in Speicher im Appenzellerland (übrigens ohne dass der Bischof vorgängig gefragt worden sei), und die Notwendigkeit, grössere Seelsorgeräume zu errichten, finde viel Verständnis und werde von Verwaltungen und Pfarreiräten aktiv unterstützt.

Ein Bischof, schloss Markus Büchel seine Predigt, solle den «Stallgeruch» der Schafe und der Herde nicht verlieren und nicht «von oben» regieren. Das sei wohl ein Grund, weshalb noch kein St. Galler Bischof der Versuchung erlegen sei, seine Residenz auf dem Säntis zu errichten, wo alle drei Kantone zusammenkämen, sondern bescheiden in den Niederungen St. Gallens zu bleiben und zu den Appenzellern hinaufzuschauen.

«Kleines Paradies in der Alpenwelt»

Diese grösseren Seelsorgeräume zeigten sich zu Beginn und am Ende des Festgottesdienstes: Zu Beginn waren aus allen 15 Pfarreien des Appenzellerlandes Brote in Körbe vor den Altar gelegt worden, die vom Bischof gesegnet wurden; am Schluss erhielt jede Pfarrei eine Kerze mit dem bischöflichen Wappen und seinem Leitspruch «In gaudio et spe» (in Freude und Hoffnung). Verschmitzt meinte Bischof Markus dazu: «Damit Ihr nicht vergesst, dass ich euer Bischof bin». Und fügte sogleich, jetzt ernsthaft, hinzu: «Wenn Sie nicht wissen, wofür Sie beten sollen, dann beten Sie für Ihren Bischof. Der hat das nötig».

Zum anschliessenden Apéro auf dem Kirchenplatz, bei herrlich-warmem Föhnwetter, wurden statt der üblichen Snacks, Stücke der gesegneten Brote ausgeteilt; die «Stegrääfler» der Harmonie verbreiteten gute Laune – «ein kleines Paradies in der herrlichen Alpenwelt», wie es Bischof Markus in seiner Predigt formuliert hatte.

 

Ein Achtel der Diözese

(ka) Das Appenzellerland ist, organisatorisch gesehen, ein Achtel der Diözese St. Gallen. Es ist nämlich eines der acht Dekanate des Bistums. Die 15 Pfarreien gehören vier Seelsorgeeinheiten an: Einerseits Appenzell mit allen Pfarreien des innern Landes; sodann die Seelsorgeeinheiten Appenzeller Hinterland (Herisau-Waldstatt-Schwellbrunn, Urnäsch-Hundwil), Gäbris (mit Gais, Speicher-Trogen-Wald und Teufen-Bühler) sowie die Seelsorgeeinheit über dem Bodensee (Kantonsübergreifend: Oberegg, Eggersriet, Grub, Heiden-Rehetobel, Walzenhausen).

Was die Zahl der Katholiken betrifft: In Ausserrhoden sind es seit einigen Jahren erstmals mehr als in Innerrhoden. Die Zahlen der Volkszählung von 2000 belegen es: 16 300 (auf 53 000 Einwohner) in Ausserrhoden, 11 800 (15 000) in Innerrhoden.

Sehen Sie die Bilder auf der Facebook-Seite des Bistums.

 
zurück

drucken
  • E-Mail
  • Sitemap
  • Facebook
  • Twitter
Bistum St.Gallen
Klosterhof 6b / Postfach 263
CH-9001 St.Gallen
Telefon +41 71 227 33 40
Kontakt >