Kirche mit* den Frauen

Kirche-mit den Frauen auf dem Splügenpass
Kirche-mit den Frauen auf dem Splügenpass
18.05.2016

Zwischenziel erreicht: Über 1000 Menschen begleiten Pilgerinnen nach Rom

Chur / Fahr, 17.  Mai 2016 – Das Pilgerprojekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» zieht ungeahnte Kreise. Zeichen aus Rom lassen derweil vermuten, dass das Anliegen für Gleichberechtigung in der Kirche auf Gehör stösst.

«Für eine Kirche mit* den Frauen» mobilisiert, begeistert und berührt: Seit Beginn der Pilgerreise am 2. Mai in St. Gallen haben sich 650 Frauen und Männer für mindestens eine Tagesetappe der Kerngruppe mit den sieben Pilgerinnen und dem einen Pilger angeschlossen. Zusammen mit den bereits über 400 Anmeldungen für den Schlussabschnitt vor und in Rom ist damit klar: Das Projekt «Für eine Kirche* mit den Frauen» hat das Ziel von 1000 Mitpilgerinnen bereits nach rund einem Drittel der Wegstrecke erreicht. Die Kerngruppe hat mittlerweile knapp einen Drittel des 1000 Kilometer langen Fusswegs absolviert. Heute morgen ist sie aus dem Städtchen Crema, knapp fünfzig Kilometer östlich von Mailand, aufgebrochen.

«Unglaubliche Bereicherung»

Am meisten Sympathisantinnen - jeweils rund ein Fünftel Männer - lockte die Pilgergruppe auf den Wegabschnitten in der Ostschweiz an. Allein zwischen Maienfeld und Chur waren 130 Frauen und Männer zusammen auf dem Weg. Dieses «Getragen sein in einer Gemeinschaft, die mit derselben Hoffnung unterwegs ist: Eine unglaubliche Bereicherung für mein Leben», schwärmt Liliane Loosli aus Buchs, die ursprünglich nur einen Tag mitpilgern wollte, aus denen schliesslich deren fünf wurden. Einander fremde Menschen sind nach kurzer Zeit vertraut, zugleich sorgen Zeiten der Stille für tiefe Begegnungen mit sich selbst und mit Gott.

Immer wieder erfahren die Pilgerinnen starke Zeichen der Unterstützung am Wegrand: Passanten von der Velofahrerin bis zum Polizisten schmunzeln der Pilgergruppe anerkennend zu. In der Kirche von Thusis werden die Wanderer von einem Chor empfangen. Auf dem Splügenpass, nach dem härtesten Abschnitt der Reise in Regen, Schnee und bitterer Kälte, erwartet sie plötzlich ein Alphornbläser-Trio. Inmitten der Erschöpfung fliessen Tränen des Glücks. «Es gibt keine Worte für das, was wir fühlen. Wir können die Fülle nicht fassen. Sind überwältigt. Tief dankbar», schreibt Hildegard Aepli, Hauptinitiantin von «Für eine Kirche mit* den Frauen».

Erstaunliche Töne aus Rom

Die Pilgerreise geschieht – Zufall oder nicht – in einer Zeit, in der aus Rom erstaunliche Signale kommen. Zunächst betete Papst Franziskus am 3. Mai leidenschaftlich für eine Besserstellung der Frauen und deren Eingliederung «in das gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Leben». Am 12. Mai schliesslich folgte seine Ankündigung, die Weihe von Frauen zu Diakoninnen zu überprüfen. «Das ging ja schnell!», hiess es unter anderem auf Facebook, oder: «Hat allein schon die Überquerung der Alpen Wunder bewirkt?». Auch Eva-Maria Faber, Professorin für Dogmatik an der Theologischen Hochschule von Chur und Mitengagierte beim Pilgerprojekt, freut sich über die Bewegungen in Rom. Umkehren müssten die Pilgerinnen allerdings nicht, so Faber: «Schon die Beratung über solche Fragen darf nicht mehr ohne die Frauen geschehen. Für dieses Anliegen sind wir unterwegs nach Rom.»

Die Pilgergruppe «Für eine Kirche mit* den Frauen» durchquert in den kommenden Tagen die Po-Ebene und dann die hügelige Landschaft des Appennin. Am verlängerten Wochenende ab Fronleichnam bewegt sie sich in der Küstenregion zwischen La Spezia und Pisa.

www.kirche-mit.ch

Was will «Für eine Kirche mit* den Frauen»?

Das Pilgerprojekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» fordert mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirche: «Wir wünschen, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion und über die Belange der Kirchen im Allgemeinen nachdenken und entscheiden», schreiben die Initiantinnen und Initianten. Dieses Anliegen trägt eine Pilgergruppe nach Rom. Bewusst wird darauf verzichtet, explizitere Forderungen wie jene nach dem Priestertum der Frau zu formulieren. Man suche den Dialog: «Wir wollen einen Weg der Gleichberechtigung zusammen mit den Männern der Kirche gehen, nicht gegen sie», sagt Hildegard Aepli. Am 2. Juli wird die Pilgergruppe in Rom von mehreren Hundert Sympathisantinnen und Sympathisanten aus der Schweiz und anderen Ländern empfangen, darunter auch von den Bischöfen Markus, Felix und Abt Urban. Ziel ist, dem Papst persönlich das Anliegen zu unterbreiten.


 
zurück

drucken
  • E-Mail
  • Sitemap
  • Facebook
  • Twitter
Bistum St.Gallen
Klosterhof 6b / Postfach 263
CH-9001 St.Gallen
Telefon +41 71 227 33 40
Kontakt >