Die Synode 72 in der Diözese St. Gallen



Am 10. März 1969 entschied die Schweizer Bischofskonferenz in allen Bistümern Diözesansynoden durchzuführen damit die Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) für das kirchliche Leben in der Ortskirche umgesetzt werden konnten. Die Synodeneröffnung fand am 23. September 1972 gleichzeitig in allen Diözesen der Schweiz statt. Präsident sowohl der St.Galler Diözesansynode wie auch der Schweiz. Koordinationskommission und der Schweizer Synode war der damalige Bischofsvikar Dr. Ivo Fürer (später zum 10. Bischof von St. Gallen geweiht). Vorbereitet wurden die Themen auf gesamtschweizerischer Ebene von zwölf interdiözsesanen Sachkommissionen (ISaKo). In den diözesanen Sachkommissionen (DSaKo) wurden diese dann intensiv diskutiert und als Vorlage in die Diözesansynode eingebracht, welche Entscheidungen fällte, Empfehlungen aussprach und die endgültigen Texte – mit Zustimmung des Diözesanbischofs – verabschiedeten. Mittels ausgeklügelten Modells waren die Diözesansynoden mit einer gesamtschweizerischen Synode verbunden und Beschlüsse teils auf diözesaner, teils auf landesweiter Ebene gefasst. Zudem wandten sich die Schweizer Bischöfe im Oktober 1969 in einem Brief an die Gläubigen. Diese sollten sieben Themenbereiche gewichten, um so mitzuwirken an der von der Schweizer Bischofskonferenz beschlossenen Synode. Gesamtschweizerisch wurde auf 1'344'155 ausgeteilten Karten mit 164'285 Antwortkarten und Briefen reagiert. Im Bistum St. Gallen waren es 116'300 ausgeteilte Karten, welche ein Echo von 16'339 Antwortkarten und Briefen auslöste. Als erstrangige Probleme wurden dabei «Ehe und Familie» sowie «Glaubensschwierigkeiten» genannt.

Die Hälfte der 120 St. Galler Diözesansynodalen bestand aus Priestern und Ordensleuten, 46 Synodalen wurden über Elektoren in den Pfarreien aus sechs Wahlkreisen gewählt und mit 8 „Gastarbeitern“ und 6 vom Bischof ernannten Laiensynodalen vervollständigt. Es galt die Redefreiheit und alle – Priester wie Laien – hatten dasselbe Rede- und Stimmrecht. Die Synodalen tagten an bis zu zehn mehrtägigen Sessionen. Als die Synode mit einem feierlichen Schlussgottesdienst am 30. November 1975 in der Kathedrale ihren Abschluss fand und Bischof Josephus Hasler seine Schlusserklärung abgab, waren über 500 Dokumentseiten abgefasst. Ein Teil der Beschlüsse wurde realisiert und ist heute selbstverständlicher Alltag in der katholischen Kirche. Etwa die Anstrengungen in der religiösen Erwachsenenbildung oder die ökumenische Öffnung der Jugendverbände. In jüngster Zeit wird auch umgesetzt, wozu die Synode damals empfahl, Überlegungen anzustellen: die Firmung im jungen Erwachsenenalter. Viele Themen sind heute noch so aktuell wie vor 40 Jahren. Etwa die Forderung, wiederverheiratete Geschiedene zu den Sakramenten zuzulassen. Die Empfehlungen zuhanden der Weltkirche wurden systematisch in die Stellungnahme der Bischofskonferenz zum Entwurf des neuen Codex Iuris Canonici 1983 einbezogen. Einige wurden aufgenommen, andere nicht. Die Idee, einen Pastoralrat als Nachfolgerat der Synode einzuführen, wurde in Rom nicht gut geheissen, obwohl die Schweizer Bischöfe die Statuten bereits angenommen hatten. Das Schweizer Synode-Hochgebet hingegen fand Aufnahme ins «Missale Romanum».

Die Synode hinterliess sehr wertvolle Texte, welche auch heute mit Gewinn zur Hand genommen werden. Sie bemühte sich um eine umfassende Standortbestimmung und verantwortungsbewusste Anregungen für die Zukunft der Kirche. Und es ist ein Geschenk für die Kirche, Perspektiven zu haben, die den Rahmen des unmittelbar Realisierbaren übersteigen.


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