Bisherige Bischöfe

Quelle: Duft, Johannes "Das Bistum St. Gallen", St. Gallen 1993, Sonderdruck aus Helvetia Sacra, Abteilung I, Band 2 Erzbistümer und Bistümer II. Das Bistum Konstanz - Das Erzbistum Mainz - Das Bistum St. Gallen

Karl Rudolf
von Buol-Schauenstein,
Bischof von Chur-St. Gallen          

1824 - 1833
Johann Georg Bossi,
Bischof von Chur-St. Gallen
1834 - 1836

Johann Peter Mirer,
Apostol. Vikar 
Bischof von St. Gallen 


1836 - 1846
1846 - 1862

Karl Johann Greith  1862 - 1882
Augustin Egger  1882 - 1906
Ferdinand Rüegg  1906 - 1913
Robert Bürkler 1913 - 1930
Alois Scheiwiler  1930 - 1938
Joseph Meile  1938 - 1957
Joseph Hasler  1957 - 1976
Otmar Mäder  1976 - 1994
Ivo Fürer  1995 - 2006
Markus Büchel  2006 - 

Karl Rudolf von Buol-Schauenstein, 1824-1833

30.6.1760 geboren in Innsbruck als Sohn des Baptist und der Johanna von Sarrentheim. 22.1.1794 zum Fürstbischof von Chur gewählt, 12.9.1794 conf, 5.10.1794 consecr., 9.10.1819 von Pius VII. zum Administrator der ehemaligen Schweizer Quart des Bistums Konstanz ernannt, 27.9.1824 von Leo XII. auch zum Bischof von St. Gallen in dem 1823 errichteten Doppelbistum Chur-St. Gallen präkonisiert mit der Verpflichtung je halbjährlicher Residenz in Chur und in St. Gallen, 16.10.1824 in der Kathedrale St. Gallen inthronisiert, nach vielen Auseinandersetzungen mit st. gallischen Behörden und Geistlichen 23.10.1833 gestorben in St. Gallen, bestattet in der Kathedrale Chur.

Johann Georg Bossi, 1834-1836

10.8.1773 geboren in Mon GR als Sohn des Paulus Jacobus Johannes Petrus Bossi und der Maria Barbara Catherina Wiezel, 19.11.1834 von Gregor XVI. zum Bischof von Chur und von St. Gallen ernannt, 6.4.1835 präkonisiert, 5.7.1835 consecr.; 12.6.1835 vom Katholischen Grossratskollegium in St. Gallen, das am 28.10.1833 das Doppelbistum einseitig aufgehoben hatte als Apostolischer Vikar provisorisch anerkannt. Er konnte sein Amt trotzdem nicht antreten, weil der kantonale Regierungsrat die Genehmigung verweigerte und dem st. gallischen Klerus die Beziehungen mit ihm verbot. Seine Jurisdiktion über St. Gallen erlosch kirchenrechtlich, als Gregor XVI. am 23.3.1836 das Bistum St. Gallen vom Bistum Chur trennte. 9.1.1844 gestorben als Bischof von Chur und in der dortigen Kathedrale bestattet.

Johann Peter Mirer, 1846-1862

2.10.1778 geboren in seiner Heimatgemeinde Obersaxen GR als Sohn des Landwirts und Vergolders Michael und der Maria Anna Riedi. Seit 1793 Gymnasialstudien in den Klosterschulen Disentis und Pfäfers, Theologiestudium in Dillingen und Augsburg, 5.12.1800 Priesterweihe im Churer Diözesanseminar in Meran, nach Hauslehrerstellen und Rechtsstudien 1806 Promotion zum Dr. phil. an der Universität Würzburg, 1809 Kaplan und Volksschullehrer in Obersaxen, 1811 Professor an der Kantonsschule in Chur, 1816 wieder Kaplan und Lehrer in Obersaxen, zugleich Unterhändler in Bistumsfragen zwischen Chur und St. Gallen, 1819 Rektor der katholischen Kantonsschule in St. Gallen, 1829 Pfarrer und Dekan in Sargans SG, also an der Grenze der Bistümer Chur und St. Gallen. Dort wirkte Mirer in den aufklärerischen und kirchenpolitischen Auseinandersetzungen um das 1823 von Pius VII. errichtete, jedoch 1833 vom Katholischen Grossratskollegium in St. Gallen widerrechtlich aufgehobene Doppelbistum Chur-St. Gallen mit kirchlicher und versöhnlicher Gesinnung. Nach der durch Gregor XVI. am 23.3.1836 vollzogenen Trennung der beiden Bistümer wurde Mirer, der im Klerus und bei den Behörden beliebt war, auf Vorschlag des Nuntius Filippo de Angelis durch päpstliches Breve am 13.5.1836 zum Apostolischen Vikar für die verwaiste St. Galler Diözese ernannt, womit sich die konfessionellen und die staatlichen Behörden einverstanden erklärten. Seine Persönlichkeit, die Milde und Grundsätzlichkeit zu verbinden wusste, führte den Klerus zu kirchentreuer Gesinnung zurück und ermöglichte sowohl den römischen als auch den kantonalen Instanzen die schliessliche Reorganisation des selbständigen Bistums St. Gallen. Pius IX. ernannte Mirer am 10.10.1846 zum Bischof von St. Gallen. Weil aber die Ausstellung der Bistumsbulle bis zum 8.4.1847 verzögert wurde, konnte die Bischofweihe, gespendet von Nuntius Alessandro Macioti in St. Gallen, erst am 29.6.1847 stattfinden. Der alternde Bischof hatte manche Kämpfe um die Kirchenfreiheit gegen das Staatskirchentum zu führen, was seine Hirtenschreiben, Denk- und Vorstellungsschriften beweisen, deren Verfasser allerdings meistens sein jüngerer Generalvikar und schliesslicher Nachfolger Karl Johann Greith war. Zur Förderung des Priesternachwuchses gründete er 1847 ein Knabenkonvikt und nach der staatlich vollzogenen Aufhebung der katholischen Kantonsschule 1857 ein Knabenseminar mit Gymnasium, dessen gewaltsame Aufhebung 1874 sein Nachfolger erleben musste, während der 1851 gegründete Gallusverein bis heute besteht. Mirer starb, erschüttert durch kirchenpolitische und körperliche Leiden, am 30.8.1862 und wurde in der Kathedrale St. Gallen am 2.9.1862 bestattet.

Karl Johann Greith, 1862-1882

25.5.1807 geboren in seiner Heimatgemeinde Rapperswil SG als Sohn des Goldschmieds und Musikers Karl Dominik und der Maria Anna Büeler. Gymnasialstudien in der Heimatstadt, Philosophie-, Theologie- und Geschichtsstudien 1822-1827 am Lyceum Luzern, 1827-1829 an der Universität München, 1829-1831 in Bibliotheken und an der Universität Paris, wo er am 28.5.1831 im Seminar St-Sulpice die Priesterweihe empfing. 1831-1834 wirkte Greith in St. Gallen als Subregens und Professor für Dogmatik und Aszetik am Priesterseminar des jungen Doppelbistums sowie als Adjunkt an der Katholischen Kantonsbibliothek (ehemaligen Stiftsbibliothek), wo er dem Board of Records in London Notizen und Zeichnungen über die frühmittelalterlichen Beziehungen Irlands und Englands zum Stift St.Gallen besorgte. Weil er im Auftrag des Bischofs Karl Rudolf von Buol-Schauenstein dogmatischen Irrtümern im St. Galler Klerus schriftlich widersprach, entzog ihm der radikal gesinnte Katholische Administrationsrat seine Anstellungen. Solcherweise aus der Heimatdiözese vertrieben, sammelte Greith 1834-1836 an der Vatikanischen Bibliothek und in anderen Bibliotheken Roms und Italiens für die englische Parlamentskommission die Unterlagen zu einer fünfbändigen "Biblio-theca Romano-Britannica" und zu seinem vielbeachteten, auch kritisierten "Spicilegium Vaticanum". Nach dreijährigem Exil zurückgekehrt, erhielt er zwar nicht die gewünschte Anstellung an der Stiftsbibliothek, wurde aber am 1.2.1837 in Mörschwil zum Pfarrer und gleich hernach vom Bezirk Rorschach zum Mitglied des kantonalen Grossen Rates (und damit auch des Katholischen Grossratskollegiums) gewählt, dem er neben seinen kirchlichen Ämtern bis 1853 angehörte. Dadurch wurde der Historiker ungewollt Politiker, ja einer der Führer der konservativen Partei, der sich um die Reorganisation des Bistums St. Gallen höchst verdient machte. Von der Geschichtsforschung vermochten ihn weder die Politik noch die Kirchenämter abzuhalten, was seine Hauptwerke beweisen: 1861 über die deutsche Mystik, 1867 über die altirische Kirche. Die theologische Fakultät der Universität Tübingen verlieh ihm am 19.11.1857 das Ehrendoktorat. Wenn damit neben theologischen und kirchenpolitischen Verdiensten auch philosophische Leistung anerkannt wurde, mag sie den von Greith um 1849 in St. Gallen mitbegründeten philosophischen Kurs (vom Kanton schon 1855 aufgehoben) und sein mit Georg Ulmer OSB begonnenes Handbuch der Philosophie gemeint haben. In erster Linie leistete Greith aber seine kirchliche Berufsarbeit: 1839-1842 als zweiter Pfarrer an der Domkirche St.Gallen, 1842-1847 als dortiger Pfarr-Rektor, 1847-1862 als von Bischof Mirer berufener Domdekan und Offizial, dazu stets als bewunderter Prediger, was seine im Druck erschienenen "Apologien in Kanzelreden" nachweisen. 1847-1855 war er überdies, zusammen mit Leonhard Gmür, Leiter der Stiftsbibliothek; als bester Kenner ihrer Manuskripte stand er in jahrelangen Beziehungen mit namhaften deutschen Historikern und Germanisten. Die Diözesanverwaltung ging vom alternden Bischof Mirer immer mehr in die Hände dieses seines Mitarbeiters über, was auch in der Verfasserschaft Domdekan Greiths an den zur Wahrung der Kirchenfreiheit veröffentlichten Denk- und Vorstellungsschriften Bischof Mirers zum Ausdruck kommt, beispielsweise gegen das konfessionelle Gesetz von 1855, gegen die Abschaffung von Feiertagen, für die Erhaltung der (trotzdem aufgehobenen) katholischen Kantonsschule. Greith war aber nicht einfach abwehrend, hatte er doch von seinen Luzerner Professoren Joseph Heinrich Alois Gügler und Joseph Widmer mit der kirchlichen Gesinnung auch die Milde ihres Lehrers Bischof Johann Michael Sailer und von seinen Münchner Professoren Johann Joseph Ignaz Döllinger und Johann Joseph Görres mit der historischen Einsicht die geistige Überlegenheit erlernt. So erklärte er sich 1861 im Unterschied zu den Integralisten mit der neuen Kompromissverfassung des Kantons St. Gallen einverstanden. Nach dem Tode Bischof Mirers war Karl Johann Greith trotz eines latenten Widerstandes der selbstverständliche Nachfolger: 11.9.1862 Wahl durch das Domkapitel, 16.3.1863 Präkonisierung durch Pius IX., 3.5.1863 Konsekration durch Weihbischof Joseph Fessler von Feldkirch in der Kathedrale St. Gallen. Diese bisher noch nicht konsekrierte Kathedrale erhielt am 17.8.1867 durch Greith und die in St. Gallen versammelten schweizerischen Bischöfe ihre Weihe. Der seelsorgerlichen Formierung des St. Galler Klerus galt Greiths "Regula Cleri Sangallensis, Pastoral-Instruktion für die Pfarrgeistlichkeit des Bisthums St. Gallen", die von 1866 bis 1932 verpflichtend blieb. Greiths Episkopat wurde durch zwei äussere Grossereignisse gezeichnet: Erstes Vaticanum und Kulturkampf. Am Vatikanischen Konzil wandte sich der St. Galler Bischof zweimal (17.5. und 1.7.1870) gegen die Opportunität der Dogmatisierung der päpstlichen Unfehlbarkeit, weshalb er vor der entscheidenden Schlussabstimmung (18.7.1870) aus Rom wegfuhr. Im Unterschied zu seinem Lehrer Döllinger, aber auch zur Enttäuschung der Gründer des Altkatholizismus entschied er sich für den Konzilsbeschluss und verfasste 1873 für seine Diözese den entsprechenden Hirtenbrief, nachdem er dasselbe schon 1871 auf Wunsch der Mitbischöfe für die ganze Schweiz getan hatte. Greith war überhaupt der erfahrene Wort- und Schriftführer des schweizerischen Episkopates, den er in strittigen Fragen auf Bundesebene und besonders im Kulturkampf zusammenzuschliessen vermochte. Hatte er sich schon 1854 für die Übersiedlung der aus Wettingen vertriebenen Zisterzienser nach dem vorarlbergischen Mehrerau bemüht und hatte er 1868 für seine Mitbischöfe zur bevorstehenden Einführung der Zivilehe Stellung genommen, so verfasste er in den kulturkämpferischen Jahren 1871-1873 die bischöflichen Denkschriften an den schweizerischen Bundesrat und die gemeinsamen Protestschriften. Dasselbe musste er im Kanton St. Gallen tun, wo 1873/74 der Kantons- und der Regierungsrat ihren eigenen Kulturkampf führten, der in der Aufhebung des bischöflichen Knabenseminars gipfelte. Das kirchenpolitische Schrifttum dieses St. Galler Bischofs in Hirtenbriefen, Vorstellungs- und Denkschriften blieb bis heute ein Zeiten- und Geistesspiegel. Greith, dem die Getreuen Verehrung und die Gegner Achtung zollten, feierte am 29.5.1881 sein goldenes Priesterjubiläum. Er starb am 17.5.1882, worauf er, den sein Mitarbeiter und Nachfolger Domdekan Augustin Egger als "Mann der Kirche in der Wissenschaft und im Leben" pries, am 20.5.1882 in der Kathedrale St. Gallen bestattet wurde.

Augustin Egger, 1882-1906

6.8.1833 geboren in seiner Heimatgemeinde Kirchberg SG als Sohn des Landwirts Joseph Anton und der Theresia Stadier, 1845-1851 Gymnasialstudien in der Klosterschule Fischingen und der katholischen Kantonsschule St. Gallen, 1851/52 Philosophiestudium an dem von Karl Johann Greith und Leonhard Gmür gegründeten philosophischen Kurs in St. Gallen, 1852-1855 Theologiestudium an der Universität Tübingen, 1855/56 im Priesterseminar St. Gallen, 17.5.1856 Priesterweihe in St. Gallen. Nach kurzen Seelsorgeaufgaben in Andwil, St. Gallen-Dom und Waldkirch übertrug ihm Bischof Johann Peter Mirer am 16.11.1857 die Präfektur und eine Gymnasiallehrerstelle am wiedereröffneten Knabenseminar St. Georgen-St. Gallen, sodann 1862-1865 das Pfarramt in Oberriet. Am 26.6.1865 wurde Egger vom Katholischen Administrationsrat als Residentialcanonicus und Domkatechet in St. Gallen und am 28.2.1872 als Domdekan gewählt, worauf ihn Bischof Karl Johann Greith zum Offizial und Generalvikar ernannte. Als Greiths engster Mitarbeiter bezog er im Kulturkampf mündlich und schriftlich Stellung gegen Übergriffe, wie er auch Ansprüche der in der Stadt St. Gallen entstandenen altkatholischen Bewegung zurückwies. Sein Gerechtigkeitssinn bewahrte ihn aber vor Übertreibungen und machte ihn sowohl in st. gallischer als auch in gesamtschweizerischer Kirchenpolitik mehrmals zum Vermittler, was ihm den Ruf der Friedensliebe eintrug und ihn schließlich den bischöflichen Wahlspruch "luste et pie" ergreifen liess, als er nach Greiths Tod sein Nachfolger wurde. 25.5.1882 Bischofswahl Eggers durch das st. gallische Domkapitel, 3.7.1882 Präkonisierung durch Leo XIII., 6.8.1882 Konsekration durch Bischof Eugen Lachat von Basel in der Kathedrale St. Gallen. Als Kirchenpolitiker wirkte nun Bischof Egger mit scharfem Verstand und sachlich- nüchternem Stil nicht nur in der Abwehr weltanschaulicher Angriffe, sondern 1883-1885 auch für die Wiederherstellung des Bistums Basel und die Lösung der Tessiner Bistumsfrage. Als langjähriger Dekan der Bischofskonferenz führte er 1886 das seither übliche Bettagsmandat des schweizerischen Episkopates ein, worin er selber die staatsbürgerlichen Pflichten des Christen aufzeigte. Als Sozialpolitiker wirkte er durch Schriften und Organisationen für die katholische Abstinenzbewegung, befürwortete er trotz konservativer Kritik die schweizerische Kranken- und Unfallversicherung und förderte er im Sinn der Enzyklika "Rerum novarum" Leos XIII. die christlichsozialen Gründungen. Als Volksschriftsteller verfasste er eine nicht mehr überblickbare Fülle meist kleinerer Schriften: Andachtsbücher für die einzelnen Lebensstände sowie aszetische, apologetische und pädagogische Broschüren, die oft übersetzt und im In- und Ausland bis in die Gegenwart neu aufgelegt wurden. War Egger in den Studienjahren durch den Güntherianismus beeindruckt worden, was ein gemässigter Rationalismus in Stil und Inhalt seiner Schriften erkennen lässt, so hatte ihn der Kulturkampf zur entschiedenen, wenn auch sachlichen Apologetik geführt, die sich letztlich auch gegen den theologischen Modernismus wandte. Folgerichtig förderte er 1889 die Gründung der katholisch ausgerichteten Universität Freiburg/Schweiz und 1890 ihrer theologischen Fakultät, die ihm am 20.7.1900 das Ehrendoktorat verlieh. Egger starb am 12.3.1906 und wurde am 15.3.1906 in der Kathedrale St. Gallen bestattet.

Ferdinand Rüegg, 1906-1913

20.4.1847 geboren in Goldingen SG als Sohn des Landwirts Balthasar Christian und der Maria Theresia Oberholzer, bürgerlich von St. Gallenkappel. 1860-1866 Gymnasialstudium am bischöflichen Knabenseminar St. Georgen-St. Gallen, 1866/67 Philosophiestudium und 1867-1870 Theologiestudium an der Universität Innsbruck, 6.11.1870 Priesterweihe in St. Gallen. Bischof Karl Johann Greith übertrug ihm am 8.10.1870 die Präfektur und eine Gymnasiallehrerstelle am Knabenseminar, die er bis zu dessen Aufhebung 1874 innehatte, hierauf die Pfarreien Mogelsberg 1874-1877 und Lichtensteig 1877-1880. Am 28.9.1880 wurde Rüegg vom Katholischen Administrationsrat als Residentialcanonicus gewählt und als solcher von Bischof Greith zum Regens des st. gallischen Priesterseminars ernannt. Am 29.1.1889 wurde er vom Administrationsrat als Domdekan gewählt und von Bischof Augustin Egger zum Offizial und Generalvikar, schließlich nach nochmaligen Studien und Prüfungen in Feldkirch am 8.4.1890 im Auftrag der römischen Congregatio studiorum zum Doktor der Theologie ernannt. 27.3.1906 Bischofswahl Rüeggs durch das st. gallische Domkapitel, 16.5.1906 Präkonisierung durch Pius X., 10.6.1906 Konsekration durch den aus dem Bistum St. Gallen hervorgegangenen Erzbischof Sebastian Messmer von Milwaukee USA in der Kathedrale St. Gallen. Im Unterschied zu seinen Vorgängern hatte sich Rüegg nicht mehr kirchenpolitisch zu profilieren, ausgenommen 1909 in der Mitwirkung an der Gründung der Römisch-Katholischen Gemeinde (der späteren Kirchgemeinde) St. Gallen. Unter dem Wahlspruch "Gratia et pax" wirkte er mit bewusster Sanftmut als Seelsorger im Sinn der Kommuniondekrete Pius' X., was auch einige eucharistische und biblische Schriften bezeugen. Rüegg starb am 14.10.1913 und wurde am 18.10.1913 in der Kathedrale St. Gallen bestattet.

Robert Bürkler, 1913-1930

6.3.1863 geboren in Rorschach als Sohn des Schneidermeisters Valentin und der Barbara Buob, bürgerlich von Alt-St. Johann. 1877-1883 Gymnasialstudium an der Stiftsschule Engelberg, 1883-1887 Theologiestudium an der Universität Innsbruck, 1887/88 im Priesterseminar St. Georgen-St. Gallen, 17.3.1888 Priesterweihe in St. Gallen. Bischof Augustin Egger bestimmte Bürkler für die Kaplan- und Reallehrerpfründe St. Josef in Uznach, die er am 1.5.1888 übernahm, worauf er 1891-1903 Pfarrer in Gossau SG und 1903-1907 Pfarrer in Lichtensteig war. Am 22.5.1907 wurde er vom Katholischen Administrationsrat als Residentialcanonicus gewählt und als solcher von Bischof Ferdinand Rüegg zum Regens des st. gallischen Priesterseminars ernannt. Gleichzeitig war er Mitglied des kantonalen Erziehungsrates. 28.10.1913 Bischofswahl Bürklers durch das st. gallische Domkapitel, 16.12.1913 Präkonisierung durch Pius X., 1.2.1914 Konsekration durch Bischof Jakob Stammler von Basel in der Kathedrale St. Gallen. 30.5.1914 Verleihung des Ehrendoktorates durch die theologische Fakultät der Universität Innsbruck. Unter dem Wahlspruch "Consilio et fortitudine" wirkte Bürkler als gütiger Seelsorger und beliebter Prediger. Er half am Ausbau der Organisation der Kirchgemeinde St. Gallen und des Bistums mit und übernahm gegen Ende seines Lebens den Aufruf Pius' XI. zur Katholischen Aktion. Er starb am 28.5.1930 und wurde am 2.6.1930 in der Kathedrale St. Gallen bestattet.

Alois Scheiwiler, 1930-1938

4.4.1872 geboren in Gossau SG als Sohn des Zimmermanns Alois und der Maria Josepha geb. Scheiwiler, bürgerlich von Waldkirch SG. Gymnasialstudium 1886-1892 an der Stiftsschule Einsiedeln, Theologiestudium 1892-1894 an der Universität Innsbruck und 1894/95 an der Universität Freiburg/Schweiz, dort theologisches Lizentiat, 1895/96 im Priesterseminar St. Georgen-St. Gallen, 21.3.1896 Priesterweihe in St. Gallen. 20.6.1897 theologisches Doktorat in Freiburg/Schweiz. Bischof Augustin Egger übertrug ihm 1897/98 ein Domvikariat, sodann 1898 das Rektorat der katholischen Kantonsrealschule in St. Gallen, auf das er am 1.5.1904 resignierte, um auf Anregung des sozialpolitisch tätigen St. Galler Priesters Johann Baptist Jung das Generalsekretariat und Zentralpräsidium der christlichsozialen Arbeiterorganisationen in Zürich zu übernehmen. Am 14.2.1908 berief ihn Bischof Ferdinand Rüegg als Pfarrer nach St. Otmar-St. Gallen, wo Scheiwiler weiterhin das Zentralpräsidium ausübte und Redaktionen standespolitischer Zeitungen besorgte. Am 1.8.1919 ernannte ihn Bischof Robert Bürkler zum Residentialcanonicus, als welcher er vorerst Domkatechet und seit 25.5.1926 Pfarr-Rektor der Dompfarrei war. 23.6.1930 Bischofswahl Scheiwilers durch das st. gallische Domkapitel, 28.8.1930 Präkonisierung durch Pius XI., 5.10.1930 Konsekration durch Kardinal-Staatssekretär Eugenio Pacelli in der Kathedrale St. Gallen. Unter dem Wahlspruch "lustitia et pax" wirkte Scheiwiler vorerst für die geistliche Neuorganisierung des Bistums, indem er 1932 erstmals eine Diözesansynode durchführte, Diözesanstatuten erliess, ein periodisches Diözesanblatt anstelle der früheren Rezesse und 1934 ein neues Rituale herausgab. Zugleich setzte er sich - ähnlich wie 40 Jahre zuvor Bischof Egger anläßlich "Rerum novarum" - im Sinn der Enzyklika "Quadragesimo anno" von Pius XI. (1931) für die Arbeiterbewegung und die christlichsozialen Organisationen, aber auch für die Abstinenzbewegung und die Katholische Aktion ein, was seine Vortragsreisen in der Schweiz und im Ausland sowie eine nicht mehr erfassbare Fülle von Schriften, Aufsätzen und Zeitungs- bzw. Zeitschriften- Redaktionen beweisen. Wiewohl der "soziale Bischof" konservativen Politikern gelegentlich als zu fortschrittlich galt, zeigte er sich auch der heimatlichen Vergangenheit, der er mehrere bis heute benutzte Geschichtsdarstellungen widmete, verbunden. Scheiwiler starb am 20.7.1938 und wurde am 23.7.1938 in der Kathedrale bestattet.

Joseph Meile, 1938-1957

24.7.1891 geboren in seiner Heimatgemeinde Mosnang als Sohn des Landwirts und Stickers Johann Konrad und der Maria Theresia Brändle. Gymnasialstudium 1907-1912 an der Stiftsschule Engelberg, Theologiestudium 1912-1916 an der Universität Fribourg, 1916/17 im Priesterseminar St. Georgen-St. Gallen, 24.3.1917 Priesterweihe in St. Gallen. Weil wegen des Weltkriegs das geplante Weiterstudium in Rom sich nicht verwirklichen liess, übernahm Meile vorerst die Stellvertretung des Pfarrers am kantonalen Asyl in Wil SG, sodann 1917-1920 ein Vikariat in St. Gallen-St. Fiden und nach kurzem Rom-Aufenthalt 1920 vikariatsweise die Kaplanei in Bazenheid. 1920-1922 Studium der Jurisprudenz an der Universität Fribourg, wo Meile nebenamtlich Subregens im Theologenkonvikt Salesianum war, 1922 Promotion zum Dr. iuris utriusque. Auf Anordnung von Bischof Robert Bürkler wirkte Meile 1924-1928 als Kaplan in Wattwil und 1928-1931 als Pfarrer in Bichwil-Oberuzwil, sodann auf Wunsch von Bischof Alois Scheiwiler 1931-1934 als Direktor der im Sinne Pius' XI. im Bistum St. Gallen errichteten Katholischen Aktion mit Sitz in St. Gallen, 1934-1936 als Pfarrer in St. Georgen-St. Gallen. Am 20.8.1936 ernannte ihn Scheiwiler zum Residentialcanonicus und Pfarr-Rektor der Dompfarrei St. Gallen. 20.9.1938 Bischofswahl Meiles durch das st. gallische Domkapitel, 26.9.1938 Präkonisierung durch Pius XI., 16.10.1938 Konsekration durch Kardinal-Staatssekretär Eugenio Pacelli in der Kathedrale St. Gallen. 15.11.1938 Verleihung des Ehrendoktorates durch die theologische Fakultät der Universität Fribourg. Unter dem Wahlspruch "In iustitia et caritate" setzte sich Meile, nach dem Vorbild seiner Vorgänger Egger und Scheiwiler, in unermüdlicher Rednertätigkeit und mit einem zahlreichen und weiten Schrifttum sowohl diözesan als auch gesamtschweizerisch für die sozialen Organisationen, die Standesvereine und die Abstinenzbewegung ein. Neben dem Arbeiterstand förderte er den bisher organisatorisch eher vernachlässigten Bauernstand, ferner den schweizerischen Sakristanenverband, schließlich auf Wunsch Pius' XII. die Einführung des Ritterordens vom Hl. Grab, dessen Grossprior er war. In Feiern, die in die Geschichtsliteratur eingingen, gedachte er 1947 des hundertjährigen Bestehens des Bistums und 1951 des 1300. Todesjahres des hl. Gallus. Meile starb am 6.1.1957 und wurde am 10.1.1957 in der Kathedrale St. Gallen bestattet.

Joseph Hasler, 1957-1976

22.4.1900 geboren in seiner Heimatgemeinde Altstätten SG als Sohn des Stickers Jakob und der Maria Kobler. Gymnasialstudium 1915-1921 am Kollegium St. Fidelis in Stans, Theologiestudium 1921-1925 an der Universität Fribourg, dort theologisches Lizentiat, 1925/26 im Priesterseminar St. Georgen-St. Gallen, 20.3.1926 Priesterweihe in St. Gallen. Hasler war 1926-1932 Kaplan in Appenzell, 1933-1944 Pfarrer in Eschenbach SG, 1944-1948 Pfarrer in Andwil und von dort aus Mitglied des kantonalen Erziehungsrates, 1948-1957 Stadtpfarrer in Wil SG, daneben 1938-1957 Feldprediger. Am 17.12.1948 ernannte ihn Bischof Joseph Meile zum Ruralcanonicus. 16.4.1957 Bischofswahl Haslers durch das st. gallische Domkapitel, 18.4.1957 Präkonisierung durch Pius XII., 26.5.1957 Konsekration durch den Apostolischen Nuntius Erzbischof Gustavo Testa in der Kathedrale St.Gallen. 15.11.1957 Verleihung des Ehrendoktorates durch die theologische Fakultät der Universität Fribourg. Bischof Hasler erweckte 1959 die Verehrung St. Otmars durch die Feier seines 1200. Todestages und förderte 1961-1967 die vom Katholischen Konfessionsteil des Kantons St. Gallen durchgeführte und vom Administrationsrat geleitete Restaurierung seiner Kathedrale. Schwerpunkte seines im Wahlspruch "Prodesse magis quam praeesse" ausgedrückten Wohlwollens bildeten die Militärseelsorge, die Gastarbeiter- (besonders Italiener-)Pastoration sowie die auswärtigen Missionen, die er in Reisen durch Südamerika und Afrika persönlich kennen lernte. Im Auftrag der schweizerischen Bischofskonferenz war er Mitgründer des jährlichen Fastenopfers der Schweizer Katholiken und Vorsitzender der leitenden Kommission. Hasler nahm 1962-1965 an den Sitzungen des von Johannes XXIII. einberufenen II. Vatikanischen Konzils teil und führte 1972-1976 die Synode der Schweizer Katholiken in seinem Bistum durch. Nach Erfüllung des 75. Lebensjahres (22.4.1975) reichte er, entsprechend einer generellen Anordnung Pauls VI., die Resignation ein, die der Hl. Stuhl auf den Abschluss der Diözesansynode zu verschieben bat und schliesslich am 25.3.1976 annahm. Nach der Konsekrierung und dem Amtsantritt seines Nachfolgers am 2.5.1976 zog er sich in eine ihm von der Kirchgemeinde Appenzell als Ruhesitz zur Verfügung gestellte Kaplanei zurück, blieb aber in der Seelsorge der dortigen Pfarrei und des ganzen Bistums noch vielfach tätig. Er starb am 20.12.1985 und wurde am 27.12.1985 in der Kathedrale St. Gallen bestattet.

Otmar Mäder, 1976-1994

15.11.1921 geboren in seiner Heimatgemeinde Mörschwil als Sohn des Arbeiters und Landwirts Johann und der Maria Schildknecht. Gymnasialstudium 1936-1942 an der Stiftsschule Einsiedeln, Theologiestudien 1942-1944 an der Universität Fribourg, 1944/45 in Sitten, 1945/46 an der Universität Innsbruck, 1946/47 im Priesterseminar St. Georgen-St. Gallen, 22.3.1947 Priesterweihe in St. Gallen. 1947-1950 Weiterstudium an der Universität Innsbruck, dort 15.7.1950 Promotion zum Dr. theol. Mäder war 1950-1955 Kaplan in Flawil, 1956-1961 Vikar in St. Otmar-St. Gallen, 1961-1966 Kaplan in Alt-St. Johann, 1966-1973 Pfarrer in Ricken, 1973-1976 Pfarrer in Muolen, wobei er sich besonders um Jugendseelsorge, Katechese und Diözesansynode verdient machte. Er arbeitete massgeblich an dem 1975 erschienenen Deutschschweizerischen Katechetischen Rahmenplan mit. Obwohl nicht dem Domkapitel angehörend, wählte ihn dieses am 23.3.1976 zum Bischof. 25.3.1976 Präkonisierung durch Paul VI., 2.5.1976 Konsekration durch seinen Vorgänger Joseph Hasler in der Kathedrale St. Gallen und Übernahme der Bistumsleitung unter dem Wahlspruch "In fide, spe et caritate". Mäder, der periodisch die Schweizerische Bischofskonferenz sowie 1978-1979 und 1986-1988 die Deutschschweizerische Ordinarienkonferenz präsidiert, vertrat 1977 seine schweizerischen Mitbischöfe an der vierten internationalen Bischofssynode in Rom. Sie galt dem Thema Katechese, dem er weiterhin gesamtkirchlich verpflichtet blieb. Im Bistum pflegte er in einer zielbewussten, thematisch wechselnden Pastoralplanung die persönlichen Kontakte mit den Priestern und den Laienmitarbeitern, dabei vor allem mit dem Priester- und dem Seelsorgerat, sowie in einer umfangreichen Vortragstätigkeit mit den Menschen aller sozialen Stände. 25.3.1994 Einreichung der Demission welche Papst Johannes Paul II. am 14.6.1994 annahm. Nach der Einsetzung seines Nachfolgers Bischof Ivo Fürer am 5.6.1995 zog er sich zuerst ins Pfarrhaus Muolen und später in eine Privatwohnung in St. Gallen-Bruggen zurück. Wie Otmar Mäder mit ganzer Konsequenz für alle öffentlich Bischof war, so wollte er mit eben solcher Konsequenz nun im Hintergrund und zurückgezogen leben. So traf man ihn regelmässig im Gottesdienst in der Kirche St. Martin-Bruggen inmitten der Gläubigen an bis er nach längerer Krankheit am 25.4.2003 starb. Er wurde am 1.5.2003 in der Kathedrale St. Gallen in der Otmarskrypta, die seit 1966 als Grablege der St. Galler Bischöfe dient, bestattet.

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